Zahnimplantate – künstliche Zahnwurzeln, die in verschiedenen Schraubenlängen und -durchmessern sowie aus unterschiedlichen Materialien wie Titan oder Keramik erhältlich sind. Sie dienen als Pfeiler für langfristigen Zahnersatz, z. B. in Form von Kronen, Brücken oder Prothesen. In einem Interview mit Dr. med. dent. J.-M. Yoo klären wir die wichtigsten Patientenfragen rund um das Zahnimplantat.

➊ Warum Zahnimplantate – was macht sie so sicher?

„Implantate erweisen sich deshalb als eine sehr sichere Behandlungsmöglichkeit, weil sie keinerlei allergische Reaktionen hervorrufen und somit eine hohe Akzeptanz vom Körper erzielen. Das von uns verwendete Material Titan hat sich auch schon in der Orthopädie, z. B. bei künstlichen Hüftgelenken, bewährt. Seit Mitte der 60-er Jahre wird es auch in der Zahnmedizin eingesetzt, seither weist es eine sehr hohe Erfolgsquote von 96 % in der Osseointegration – sprich: der Knochen-Implantat-Verbindung – auf.

Die Einheilzeit – also die Zeit, die das Implantat benötigt, um sich mit dem umgebenden Knochen bis zur Belastungsfähigkeit zu verbinden – beträgt im Oberkiefer rund fünf Monate, im Unterkiefer sogar nur um die drei Monate. Implantationen mit vorangehendem Knochenaufbau sind in der Regel nach sechs Monaten belastungsfähig osseointegriert.

In ausgewählten Fällen ist auch eine Früh- oder gar Sofortversorgung von Implantaten möglich – die Einheilzeit liegt hier bei etwa einem Monat.“

➋ Wie läuft eine Implantatbehandlung ab, wie viele Sitzungen sind notwendig?

„Ich beschreibe im Folgenden die konservative Methode, welche meistens durchgeführt wird, weil sie einfach am sichersten ist.

✔ Sitzung 1:

Eine klinische Untersuchung gibt Aufschluss über Schleimhaut, Zunge, Muskulatur, umgebende Weichteile, Restzahnbestand, den Abstand zwischen den Kiefern, die Breite des Knochens und des Kiefers. Darauf folgt die röntgenologische Untersuchung in Bezug auf Befund und Diagnose zum Knochenangebot, welches in der Länge und Höhe abgemessen wird. Gegebenenfalls nehmen wir Abdrücke, um die Situation im Mund zu erfassen. Der Abdruck dient der Modellherstellung, Planung und der Herstellung von Schablonen zur Festlegung des Implantationsortes sowie der Präzision der Ausmessung.

✔ Sitzung 2:

Je nach Erforderlichkeit erfolgt nun der Knochenaufbau, der Knochenaufbau in Verbindung mit dem Implantateinsatz oder auch nur der Implantateinsatz. Anschließend ist die jeweilige Einheilzeit abzuwarten.

✔ Sitzung 3:

Der Fortgang der Behandlung richtet sich nach der Art der gewählten Einheilungsmethode. Bei geschlossener Einheilung erfolgen nun die Freilegung des Implantates durch eine minimale Öffnung der Schleimhaut über dem Implantat und der Austausch des Schleimhaut-Formers. Bei offener Einheilungsvariante wurde der Schleimhaut-Former schon in der zweiten Sitzung eingesetzt, somit beginnt hier bereits die eigentlich vierte Sitzung.

✔ Sitzung 4:

Hier nehmen wir erneut einige Abformungen und Abdrücke und zwar: vom Implantat, vom Gegenkiefer und vom Biss (Zuordnung Ober- zu Unterkiefer). Auch die Farbauswahl für den Zahnersatz wird hier gemeinsam mit dem Patienten besprochen.

✔ Sitzung 5:

Der Zahnersatz wird dauerhaft auf dem Implantat angebracht.“

➌ Ist – insbesondere bei Angstpatienten – auch eine Behandlung unter Vollnarkose möglich?

„Ja, natürlich. Alle Eingriffe können theoretisch unter Vollnarkose erfolgen.“

➍ Worin liegen die Vorteile der Zahnimplantate für den Patienten?

„Zunächst sind da die biologischen Aspekte, sprich: Gesunde Zähne müssen nicht beschliffen werden und dort, wo die Implantate in den Knochen einheilen, bleiben die knöchernen Strukturen erhalten.

Dann folgen die kaufunktionellen Aspekte: Kaufunktion, Phonetik und Ästhetik natürlicher Zähne werden wiederhergestellt. Und im Vergleich zu abnehmbaren Prothesen bieten Implantate eine deutlich bessere Kaufunktion.

Psychologische Aspekte beruhen auf dem Gefühl, keine Implantate, sondern nach wie vor echte Zähne zu haben – selbst wenn es sich tatsächlich um Implantate handelt. Insbesondere bei totaler Zahnlosigkeit bieten Implantate – verglichen mit Totalprothesen – ein besseres Lebensgefühl.

Und schließlich überzeugt das Implantat bei fachgerechter Ausführung, einer guten Mundhygiene und regelmäßigen Kontrollen durch eine Lebensdauer von 15 Jahren und mehr – vielleicht sogar permanent. Nach einem Beobachtungszeitraum von 15 bis 20 Jahren behielten mehr als 90 % der eingesetzten Implantate ihre Funktionalität.“

Wir bedanken uns bei Herrn Dr. med. dent. Yoo, Viva Dental Mönchengladbach, für das freundliche Interview!

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